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Manley VOXBOX® Combo
Reviewing Manley's VOXBOX® Combo - by Thomas Sandmann
The following review from April 1999 in its original german text is reprinted with permission from PMA magazine. You can find PMA on the web at http://www.p-m-a.de.

Ungleiche Gegner

Mit dem besten Mikrofon lassen sich keine hochwertigen Gesangsaufnahmen erstellen, wenn nicht ein guter Vorverstärker am Werk ist. Bevor das Signal auf Band oder Festplatte gebannt wird, komprimiert man es gerne leicht an, und auch ein dezenter Equalizer-Einsatz bereits vor dem Aufnahmemedium ist in vielen Fällen angebracht.

Eine konsequente und zugleich kompakte Lösung, bei der das Mischpult komplett umgangen und kein weiteres Outboard-Equipment benötigt wird, besteht in der Nutzung eines sogenannten Channel Strips. Er enthält alle genannten Funktionen und fungiert somit als alleiniges Bindeglied zwischen Mikrofon und Aufnahmegerät. Noch vor wenigen Jahren war das Ergebnis der Suche nach einem solchen Gerät niederschmetternd, und die häufig auch als Mikrofonprozessoren bezeichneten Channel Strips mußten im Angebot der Hersteller wie Nadeln im Heuhaufen gesucht werden. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Es gibt wohl keine andere Gerätegattung, die in kürzester Zeit so viele Neuvorstellungen zu verzeichnen hatte wie die Channel Strips. Einige bieten zusätzlich zur Grundausstattung einen De-Esser, andere einen Enhancer, aber in den Grundfunktionen sind sie alle gleich: Sie dienen zum Verstärken, Komprimieren und Entzerren. Daß sich hinter den Geräten neben Qualitäts- und Klangunterschieden dennoch grundlegend verschiedene Konzepte verbergen, zeigt PMA mit diesem Bericht.

Die Kandidaten

Aus dem riesigen Angebot stellen wir drei interessante Geräte vor, die sich durch ein individuelles Konzept aus der Masse der Mitbewerber abheben. Der En-Voice ist das Debüt des jungen Herstellers MindPrint. Er überzeugt durch ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis und bietet eine optionale Digitalschnittstelle im ansonsten durchgehend analog aufgebauten Gerät. TC Electronic setzt genau andersherum an: Der Gold Channel des dänischen Herstellers befördert das Signal so früh wie möglich auf die digitale Ebene und erledigt alle Bearbeitungen mit DSP-Algorithmen. Manley dagegen setzt nicht nur auf ein absolutes High End-Design in Vollröhrentechnik, sondern baut gleichzeitig auf legendäre Vintage-Schaltungen für den charakteristischen Sound und hält dabei die Anzahl der aktiven Bauelemente im Signalweg durch einen Opto-Kompressor sowie einen passiven Pultec-Equalizer so gering wie möglich. Bereits bei diesem einleitenden Vergleich wird deutlich, daß die drei Geräte trotz ihres identischen Einsatzgebietes nicht viel gemeinsam haben.

MindPrint En-Voice

Der rote Channel Strip aus St. Wendel verfügt neben dem Mikrofoneingang mit schaltbarer Phantomspeisung auch über einen Line-Eingang sowie eine Instrument-Buchse, die den direkten Anschluß einer E-Gitarre erlaubt. Mit Gainregler und zwischen Ein- und Ausgang umschaltbarer LED-Kette läßt sich der Eingangspegel einstellen, ein Hochpaßfilter mit wählbarer Grenzfrequenz (50 und 100 Hz) dient zur Unterdrückung von Trittschall.

Der dreibandige Equalizer verfügt über eine halbparametrische Höhen- und Tiefenregelung sowie über ein vollparametrisches Mittenband. Ein interessantes Konstruktionsdetail findet sich im unteren Band, das breitbandig auf eine Anhebung reagiert, im Falle einer Absenkung jedoch schmalbandig arbeitet. Hier wurde davon ausgegangen, daß Anhebungen der Klangformung, Absenkungen jedoch der Unterdrückung von Störgeräuschen dienen. Jedes Band des Equalizers verfügt über einen eigenen Bypass-Schalter.

Der Soft-Knee-Kompressor des En-Voice arbeitet gleichzeitig mit einer Röhre vom Typ 12 AX 7 A und einem Halbleiter-VCA. Schwellwert, Kompressionsverhältnis und Pegelanhebung werden über Regler eingestellt, die Geschwindigkeit der programmabhängigen Regelzeiten läßt sich mit dem Schalter Slow verringern. Ein weiterer Schalter aktiviert ein Filter im Regelweg, wodurch Frequenzen unter 300 Hz ausgefiltert werden und daher nicht mehr zur Steuerung der Kompression beitragen. Die Folge ist ein weniger auf Bässe reagierendes Regelverhalten, während das Audiosignal klanglich unverändert bleibt. Der Arbeitspunkt der Röhre wird mit dem Regler Tube Sat eingestellt. Hier kann dosiert Röhrenverzerrung zugegeben und das Klangbild von leichter Anwärmung bis zu kräftiger Färbung verändert werden.

Auf der Rückseite des eine Höheneinheit messenden Gerätes befindet sich ein Einbauplatz für das optional erhältliche Modul DI-MOD 24/48. Es enthält einen zweikanaligen AD/DA-Wandler, der mit einer Wortbreite von 24 Bit und einer Abtastfrequenz von wahlweise 44,1 oder 48 kHz arbeitet. Der En-Voice erhält durch dieses Modul nicht nur einen Digitalausgang für den direkten Anschluß an Harddiskrecording-Systeme oder digitale Mischpulte, sondern auch einen digitalen Eingang, der ein Einschleifen des Geräts in digitale Studioumgebungen oder aber die Synchronisation per Wordclock ermöglicht. Da das DI-MOD 24/48 zweikanalig ausgelegt ist, der En-Voice aber nur einen Kanal aufweist, wurden die analogen Ein- und Ausgänge des zweiten Wandlerkanals auf Klinkenbuchsen gelegt, an die ein weiteres einkanaliges Analoggerät angeschlossen und daher auch ohne eigene Digitalschnittstellen in die digitale Umgebung eingebunden werden kann.

TC Electronic Gold Channel

Der Name Digitally Enhanced Mic Preamp deutet bereits an, daß beim Gold Channel nicht viel Analogtechnik im Spiel ist. Unmittelbar nach dem Vorverstärker erfolgt die Wandlung mit 24 Bit Wortbreite und bis zu 48 kHz Abtastfrequenz, alle weiteren Module arbeiten digital. Die Vorverstärker des zweikanaligen Geräts verfügen über Gain-Regler, hochauflösende LED-Ketten, schaltbare Phantomspeisung, Phase Reverse, Mute-Schaltung, eine dreistufige Vordämpfung, Locut-Filter mit dreifach umschaltbarer Grenzfrequenz, Softlimiter und einen Eingangswahlschalter für die analogen Quellen Mikrofon und Line sowie den Digitaleingang. Diese Bedienelemente decken nicht nur umfassend den Bedarf ab, sondern sind auch sämtlich speicherbar, so daß der Gold Channel nicht nur im Digitalbereich, sondern über das gesamte Gerät echte Total-Recall-Fähigkeiten besitzt.

Die digitale Bearbeitungsstufe umfaßt für jeden Kanal vier Effektblöcke, die mit zwei verschiedenen Expandermodulen, zwei Kompressoren, zwei fünfbandigen Equalizern und verschiedenen Tools wie beispielsweise einem De-Esser oder einer Röhrensimulation frei belegt werden können. Soll nur ein Monosignal bearbeitet werden, lassen sich die Effektblöcke beider Kanäle seriell verschalten, wodurch bis zu acht Effektmodule gleichzeitig eingesetzt werden können. Die Qualität der Effekte, insbesondere die der Equalizer, läßt sich durch eine interne Verdopplung der Abtastrate nochmals verbessern. In diesem Fall können jedoch nur noch drei Effektblöcke im Monobetrieb oder einer pro Kanal beim Stereoeinsatz belegt werden. Soll die Effektkette durch externe Geräte erweitert werden, lassen sich die jeweils nicht benutzten Analog- oder Digitalanschlüsse als Inserts verwenden.

Vor und hinter den Effektketten für die beiden Kanäle befindet sich ein Input- und Output-Block. Diese auf den ersten Blick unscheinbaren Blöcke haben es in sich, denn sie enthalten eine M/S-Matrix sowie feinjustierbare Delays zum Ausgleich von Laufzeitunterschieden der Mikrofone. Um die Delayzeiten exakt einstellen zu können, stehen Korrelationsgradmesser zur Verfügung - und zwar genau wie die Delays jeweils vor und nach der Effektkette. Auf diese Weise kann vor den Effekten zunächst der Laufzeitausgleich für die Mikrofone erfolgen, um beispielsweise durch verkoppelte Regelkreise der Kanäle beim Stereobetrieb keine Fehler entstehen zu lassen. Der endgültige Phasenabgleich für das Ausgangssignal erfolgt dagegen erst nach der Effektkette, damit er die eventuell unterschiedlichen Signalverzögerungen der digitalen Bearbeitung auffangen kann. Die durch den Gold Channel verursachten Verzögerungen werden dabei sogar vom Gerät selbst ermittelt.

Für jeden Effektblock steht ein separater Taster auf der Frontplatte bereit, der ihn in den Edit-Modus schaltet und die Einstellungen sowohl grafisch als auch numerisch im Display anzeigt. Mit zwei Endlosdrehgebern werden dann die Einstellungen vorgenommen. Die Bedienung gestaltet sich intuitiv und übersichtlich, trotz der vielen Funktionen verirrt man sich nicht im Parameterwald. An wenigen Stellen muß man zwar etwas nachdenken, aber für ein Gerät mit nur einer Höheneinheit kann die Bedienung nur als vorbildlich bezeichnet werden.

Beim Speichern der Einstellungen stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Jeder Block kann einzeln abgelegt werden, so daß neue Presets auch aus mehreren älteren Projekten zusammenkopiert werden können. In der Einstellung Total Recall werden dagegen alle Einstellungen gespeichert, auch die des Gain-Reglers oder des Schalters für die Phantomspeisung. Intern stehen 200 Speicherplätze zur Verfügung, auf einer PCMCIA-Karte können weitere 999 Presets abgelegt werden.

Die Einbindung in analoge und digitale Studioumgebungen ist in jedem Falle problemlos, da sämtliche gängigen Schnittstellen vorhanden sind. Auf der analogen Seite sind dies symmetrische XLR-Verbinder, die digitale Ebene wird von coaxialen S/PDIF-Anschlüssen, XLR-Buchsen für das AES/EBU-Format, zwischen ADAT und S/PDIF umschaltbaren optischen Schnittstellen sowie einem Wordclock-Eingang vertreten. Durch die schaltbare und auch speicherbare Eingangs- und Ausgangswahl kann der Gold Channel bei geschickter Verkabelung sowohl als Frontend vor dem Recorder als auch im eingeschleiften Betrieb zur Nachbearbeitung eingesetzt werden, ohne eine Patchbay bemühen zu müssen.

Manley Voxbox

Nicht kleckern, sondern klotzen heißt es auch bei der Voxbox - allerdings mit diametral entgegengesetzer Ausrichtung: Dieses Gerät verfolgt das Streben nach eigenständigem Analogklang und qualitativem HighEnd-Anspruch, und zwar ohne jegliche Rücksicht auf die Kosten. Als Mikrofonvorverstärker kommt Manleys bekannte 40-dB-Röhrenschaltung zum Einsatz, deren Eingangsübertrager mit laminiertem Nickelkern und MU-Abschirmung ebenfalls im Hause Manley entwickelt und hergestellt wird. Phase Reverse und schaltbare Phantomspeisung stehen zur Verfügung, ein zweistufiges Locut-Filter wurde passiv realisiert.

Neben dem Mikrofoneingang ist auf der Rückseite auch ein Line-Input und auf der Frontplatte ein Instrumenteneingang zu finden. Die Pegelumschaltung wird mit dem fünfstufigen Schalter Gain vorgenommen, der durch seine Wirkung auf die Gegenkopplung neben der Verstärkung auch den Klang des Vorverstärkers und dessen Slew Rate beeinflußt. Zusammen mit dem stufenlosen Eingangspegel-Regler kann daher ein Klangeindruck von weich bis aggressiv erzielt werden. Das Gerät verarbeitet Pegel von bis zu + 31 dBu und verfügt damit über einen um fünf bis zehn Dezibel größeren Headroom als die meisten anderen Studiogeräte. Einzig die maximale Verstärkung ist mit 50 dB etwas knapp bemessen. Da ein Gerät vom Schlag der Voxbox aber ohnehin vorzugsweise mit pegelstarken Großmembranmikrofonen eingesetzt wird, fällt dieser Aspekt nicht wirklich ins Gewicht.

Der integrierte Kompressor kombiniert die Steuerung von Manleys Bestseller, dem Variable Mu Compressor Limiter, mit dem Prinzip eines Optokompressors. Das Interessante daran ist, daß sich das passive Optoelement noch vor dem Vorverstärker befindet. Auf diese Weise wird eine Übersteuerung der Vorstufe verhindert und gleichzeitig eine komplette, aktive Signalstufe eingespart. Das Kompressionsverhältnis ist fest auf 3:1 eingestellt und der Schwellwert ist stufenlos einstellbar. Mittels eines Bypass-Schalters läßt sich der Kompressor deaktivieren. Die Attackzeit ist in fünf Stufen zwischen 4 und 70 Millisekunden schaltbar, die Releasezeit zwischen 0,3 und 5 Sekunden in ebenfalls fünf Stufen. Über einen Link-Schalter lassen sich zwei Voxboxen für den Stereobetrieb verkoppeln.

Die folgende Equalizer-Sektion beinhaltet das passive Pultec-Mittenband, das ausschließlich Absenkungen bis maximal 10 dB zuläßt. Die Mittenfrequenz ist in elf Stufen zwischen 200 Hz und 7 kHz schaltbar. Ergänzt wird der Equalizer um ein auf Spulenfiltern basierendes Tiefenband, das Anhebungen bis zu 10 dB erlaubt und zwischen 20 Hz und 1 kHz in elf Stufen einstellbar ist, sowie ein in Klasse-A-Technik realisiertes Höhenband, das ebenfalls zwischen 0 und 10 dB Verstärkung erlaubt und dessen elf Frequenzen sich zwischen 1,5 und 20 kHz bewegen.

Am Ende der Signalkette befindet sich eine weitere Dynamiksektion, die wahlweise als De-Esser oder Limiter betrieben werden kann. Mit Hilfe einer passiven LC-Schaltung und Einsatzfrequenzen von 3, 6, 9 oder 12 kHz verfolgt auch der De-Esser das weitestgehende Passiv-Konzept der Voxbox. Eine Ratio von 10:1, Attackzeit von 2 Millisekunden und Releasezeit von 0,5 Sekunden sind fest vorgegeben. Der De-Esser kann im laufenden Betrieb unhörbar ein- und ausgeschaltet werden, so daß er sich auch nur teilweise auf eine Gesangsspur anwenden läßt.

Wird die Dynamikstufe als Limiter betrieben, zeigt sie das Verhalten des LA-2A aus gleichem Hause. In dieser Einstellung ergibt sich die häufig gewünschte Funktion, das Signal vor dem Equalizer zu komprimieren und Post-EQ zu limitieren. Interessant ist auch die Auftrennung des Signalwegs zwischen Vorverstärker und Equalizer mit jeweils eigenen Anschlüssen. Dadurch lassen sich der Vorverstärker mit Optokompressor sowie der Equalizer mit nachfolgender Dynamikstufe unabhängig voneinander wie zwei separate Geräte nutzen.

Die Ein- und Ausgänge sind jeweils doppelt ausgeführt, nämlich als trafosymmetrierte XLR-Anschlüsse sowie als transformatorlose Klinkenbuchsen. Neben der Flexibilität der Anschlüsse wird dadurch ein jeweils unterschiedliches Klangbild erreicht: Die trafolosen Anschlüsse klingen im audiophilen Sinne eher neutral, die Übertrager an den XLR-Anschlüssen machen dagegen mehr Sound.

Abgerundet wird die Voxbox durch ein beleuchtetes VU-Meter, auf dem sich wahlweise die Pegel des Line-Eingangs, Vorverstärker-Ausgangs oder Geräteausgangs sowie die Gain Reduction des Optokompressors oder des De-Esser-Limiters anzeigen lassen. Auch auf die Details wurde geachtet, beispielsweise liegen Gehäuse- und Signalmasse an getrennten Klemmen an, wodurch bei der Installation alle Möglichkeiten zur Vermeidung von Brummschleifen gegeben sind. Durch die großen Schalter und Potis gestaltet sich auch die Bedienung angenehm: Kein Fummeln mit spitzen Fingern an winzigen Knöpfen, sondern beherzte Griffe an satt rastende Schalter charakterisieren hier die Arbeit, für die allerdings drei Höheneinheiten im Rack zu spendieren sind.

Klang und Einsatzgebiete

Der En-Voice von Mind Print zeigt eindrucksvoll, zu welchen Leistungen die kleine Klasse heutzutage schon fähig ist. Besonders der Vorverstärker ist erstaunlich rauscharm und hält sich auch beim Vergleich mit einigen teureren Geräten wacker. Das Konzept des Equalizers vermag zu überzeugen und der Kompressor erhält durch die Röhre eine sehr eigenständige Note. Im professionellen Studio wird man einstellbare Regelzeiten vermissen, aber bei einem Blick auf den Preis des Geräts sind zwangsweise einige Abstriche in Kauf zu nehmen, die hier jedoch erfreulicherweise nur an den unbedeutenderen Stellen vorgenommen wurden. Zusammen mit der Wandlerkarte ist der En-Voice in seiner Preisklasse sogar einzigartig. Sein hauptsächliches Einsatzgebiet besteht sicher im Projektstudio, das für hochwertige Digitalaufnahmen eine Vorstufe sucht, ohne ein Mischpult einsetzen zu müssen.

Der Gold Channel ist in diesem Vergleich nicht nur das einzige zweikanalige Gerät, sondern auch klanglich von höchster Neutralität. Hier wird reine Vorverstärkung und Signalbearbeitung geboten, aber kein eigenständiger Sound. Diese Wertung ist uneingeschränkt positiv zu verstehen, denn ich habe selten analytischer klingende Vorstufen gehört, denen man wirklich zugestehen kann, keinerlei hörbare Verfärbungen zu erzeugen. Zusammen mit der durchgehend digitalen Signalverarbeitung und der umfassenden Total-Recall-Speicherbarkeit bietet sich der Gold Channel daher als universelles Gerät in Studios an, die einerseits eine umfassende Gesangsbearbeitung höchster Qualität, andererseits aber eine möglichst direkte Anbindung an Digitalsysteme suchen und häufig an wechselnden Produktionen arbeiten.

Die Voxbox entwickelt dagegen ihren eigenständigen Klang. Der in der Werbung oft zitierte „Manley-Sound“ ist nicht nur ein Slogan, sondern dieses Gerät entwickelt tatsächlich ein Eigenleben. Das Mikrofonsignal läßt sich spielend in die Klangrichtungen warm bis druckvoll manipulieren. Vom Übertrager über die Röhren bis zum passiven Equalizer erhält es alle Eigenschaften, die man sich gemeinhin unter Analogsound vorstellt. Gleichzeitig läßt die Voxbox aber auch sehr neutrale Einstellungen zu, in denen die Röhren ihre Vorteile in bezug auf Schnelligkeit und exakte Abbildung ausspielen. Während der Gold Channel im Direktvergleich zu anderen Kandidaten bereits deutlich hochwertiger klingt und zweifelsfrei ans obere Ende der Qualitätsskala gehört, setzt die Voxbox hier nochmal eins drauf. Als Vorbereitung auf eine digitale Weiterverarbeitung stellt die Voxbox folglich eine gute Wahl dar, allerdings ist ein geeigneter Wandler zusätzlich zu budgetieren.

Technologie und Preise

Die drei Geräte zeigen deutlich die unterschiedlichen Ansichten verschiedener Audio-Entwickler auf. Die Puristen behaupten, daß Röhren für die Signalverarbeitung besser geeignet seien als Transistoren. Dabei geht es nicht nur um den wärmeren und „musikalischeren“ Klang aufgrund der bei beiden Konzepten unterschiedlichen Obertonstruktur, sondern auch um die Funktion einer Röhre als „idealer Feldeffekttransistor“. Folglich werden im Signalweg keine Halbleiter, sondern ausschließlich Röhren eingesetzt. Gemeinsam mit dem Bestreben, möglichst wenige aktive Bauteile im Signalweg zu betrieben, führt dies zu puristischen Konzepten wie der Voxbox, die außerordentlich aufwendig und daher teuer sind, dafür aber auch das letzte Quentchen Klangqualität ins Studio bringen.

Andere Entwicklungsingenieure interessieren sich für die Röhre ausschließlich aufgrund ihrer Fehler, denn die harmonischen Verzerrungen führen zu einem warmen Klangbild. Für die Signalverarbeitung als solche werden dagegen Halbleiter verwendet, deren Übertragungseigenschaften oft als besser, zumindest aber als leichter beherrschbar angesehen werden. Ein typisches Gerät dieser Gattung ist der En-Voice, bei dem Röhre und Transistoren in einer Hybridschaltung nebeneinander arbeiten.

Die letzte Möglichkeit besteht darin, analoge Schaltungen als „Technik von gestern“ möglichst komplett durch Digitaltechnik zu ersetzen. Neben einer färbungsfrei neutralen und qualitativ hochwertigen Signalverarbeitung ergeben sich die Vorteile der einfachen Integration zusätzlicher Funktionen in ein Gerät sowie eine schnellere Reproduzierbarkeit einmal vorgenommener Einstellungen durch Nutzung von Speichern. Im volldigitalen Studio der Zukunft müssen nur noch Anfang (Mikrofon) und Ende (Lautsprecher) der Signalkette analog bleiben, denn die aufzunehmenden Instrumente sowie unsere Ohren arbeiten nun einmal nicht digital. Dieses konsequente Konzept verfolgt der Gold Channel.

Die verschiedenen Konzepte haben jedoch auch Auswirkungen auf den Preis. Durch überlegt konstruierte Hybridtechnik und Beschränkung auf die wesentlichen Funktionen zeigt der En-Voice ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis, inklusive Wandlermodul ist er für 1.500 Mark zu haben und in diesem Marktsegment konkurrenzlos. Der Gold Channel ist mit einem Kanalpreis von 2.300 Mark (4.600 Mark für das zweikanalige Gerät) in der nächsthöheren Preisklasse angesiedelt, bewegt sich aber noch immer in erträglichen Regionen und bietet eine Ausrüstung, die nur mit Digitaltechnik machbar ist. Ein analoges Gerät mit vergleichbarer Qualität bei ähnlichem Funktionsumfang wäre sicher um ein Zehnfaches teurer, wodurch der Gold Channel bei gleichzeitiger Betrachtung des technischen und wirtschaftlichen Aspekts ein Optimum auf der Preiskurve darstellt. Er ist ebenfalls konkurrenzlos, weil er schlichtweg das einzige Gerät dieses Konzepts am Markt darstellt. Manleys Voxbox ist mit ihrem Preis von knapp 9.000 Mark einschließlich der Mehrwertsteuer für ein einkanaliges Gerät auf den ersten Blick sehr teuer. Aber sie ist auch unglaublich gut, denn ihr kompromißloser Ansatz in Vollröhrentechnik bringt Analogsound in ansonsten volldigitale Studios und rangiert gleichzeitig auf höchstem qualitativen Niveau, wobei auch der ergonomische und haptische Aspekt nicht zu kurz kommt. Wer diesen High End-Anspruch an sein Equipment stellt, tätigt mit der Voxbox eine sinnvolle Investition. Wer nicht in solche Gefilde vorstoßen möchte und auch mit einem En-Voice leben kann, freut sich dagegen über einen ordentlichen Kompromiß zu einem Sechstel des Preises.

Fazit

Die in diesem Rahmen vorgestellten Geräte wurden aus der Masse derzeit erhältlicher Channel Strips nicht ohne Grund ausgewählt, denn jedes für sich gilt als Spitzenreiter seiner Klasse. Unser Test hat nicht nur gezeigt, daß die drei Geräte diesem Anspruch problemlos gerecht werden, sondern er zeigt vor allem den heutigen Stand der Technologie: Auch Low-Budget-Geräte können bei sorgfältiger Planung des Herstellers durchaus an die Qualität nächsthöherer Klassen heranreichen, die High End-Analogtechnik bringt auch heute noch interessante Innovationen hervor und die Digitaltechnik dringt immer weiter in Bereiche hervor, an die vor einigen Jahren noch gar nicht zu denken war. Für den Anwender sind das erfreuliche Zeiten, denn er hat die freie Auswahl in einem Markt, der in jedem Preissegment gute Geräte zu bieten hat.

Test: Thomas Sandmann

Channel Strips

Mind Print’s En-Voice is a budget channel strip. Featuring microphone preamplifier, equalizer, and tube compressor, this unit is an affordable choice for project studios. It can be integrated even in digital recording systems with its optional 24 bit AD/DA converter.

The Gold Channel from TC Electronic is a digitally enhanced premaplifier. A 24-bit 48-kHz A/D converter is placed directly after the analog frontend. With its digital equalizer, compressor, expander, and de-esser all processing remains in the digital domain. Equipped with S/PDIF, AES/EBU, and ADAT interfaces, the unit is prepared for digital studios.

Engineering the Voxbox, Manley pulled out all stops and made an all-tube signal path, which provides high-end sound in combination with legendary features like the Pultec EQ. Preamplifier, opto-compressor, equalizer, and de-esser/limiter provide high audio quality and thought-out ergonomics.


The Author

Thomas Sandmann is audio engineer, music producer, and owner of the ths master mix studio in Germany. His focus is on dance and R&B music, his credits include the acts Blue Cascade, Syrinnx, Hardbase, Concrete, and many others.

Moreover, Thomas is a consulting engineer for audio companies, for example he desgined surround concepts which can be found in actual software and hardware solutions. He gives lectures on studio and recording items, and writes workshops and reviews for different German studio mags from time to time.

Awards
We are so very proud to announce that the VOXBOX was awarded a 1998 "TEC" Award by Mix Magazine! This was Manley's 4th TEC award nomination in a row and our first winner! Thanks to all the folks who voted and to everyone who supports and shares our vision and commitment to the pursuit of innovative, uncompromised design.
Reviews
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Memorable Remarks
The Manley VoxBox might be the finest mic preamp / multiprocessor combo ever built. If you can justify the cost, do not shudder. Run, don't walk, to a Manley dealer or the Manley website and get one of these suckers pronto.

Rip Rowan
www.prorec.com

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Here is Savannah Sanchez having some fun posing for a few pictures with her Manley Labs Reference Cardioid mic between takes at Gospel Light Studios.
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