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Manley Massive Passive Stereo Tube EQ
Reviewing Manley's Massive Passive Stereo Tube Equalizer
The following review from October 1999 in its original german text is reprinted with permission from PMA magazine. You can find PMA on the web at http://www.p-m-a.de.

Mit dem Massive Passive stellt Manley einen Equalizer vor, der ohne aktive Bauteile in den Filterbändern auskommt und den Klang nostalgischer Vorbilder wie dem legendären Pultec-Equalizer mit weichen Sättigungseffekten der Aufholverstärker in Röhrentechnik kombiniert. Zusammen mit einigen innovativen Ideen ist der Massive Passive ein Produkt, bei dem sich näheres Hinsehen lohnt. Vierzig Autominuten östlich von Los Angeles liegt Chino, Heimatstadt der Manley Laboratories. Hier werden fünfzig verschiedene Geräte gebaut, die alle in Vollröhrentechnik konstruiert und handgefertigt sind. Ungefähr die Hälfte davon ist für den professionellen Audio-Markt bestimmt, der Rest bedient das HiFi-Lager. Um von wechselnder Qualität zugelieferter Bauteile unabhängig zu sein, werden auch Übertrager und Spulen selbst hergestellt und natürlich ebenfalls von Hand gewickelt. Nach ihrer Scheidung von David Manley ist EveAnna Manley inzwischen alleinige Inhaberin der Manley Labs. Unter ihrer Führung und mit der großen Erfahrung des Entwicklers Craig Hutchison entstand nach der Voxbox (Test in PMA 3/99) nun der Massive Passive, der bereits für den TEC-Award 1999 nominiert ist.

Erscheinungsbild

Wie wir es von Manley gewohnt sind und wie bereits der Name des neuen Equalizers andeutet, holt der stolze Käufer eines Massive Passive ein solides Stück Hardware aus dem Karton. Die dicke Aluminium-Frontplatte mit aus dem Vollen gefrästen Versenkungen und eingravierter Beschriftung, separat mit Inbusschrauben befestigte schwarze Inlays unter den Knöpfen sowie die Knöpfe selbst, die sich nicht nur angenehm anfassen lassen, sondern schon rein optisch einem Gasherd zu aller Ehre verhelfen würden, machen einen wahrhaft vertrauensvollen Eindruck.

Durch den zur Wärmekonvektion aus Lochblech gefertigten Gehäusedeckel und -boden hat man Einblick ins Innere des äußerst sauber aufgebauten Gerätes, das mit seinen als Einzelmodule ausgeführten Filterplatinen und sauber geflochtenen Kabelbäumen sehr übersichtlich wirkt und das Flair der Handfertigung ausstrahlt. Für den modularen Aufbau entschied man sich nicht zuletzt wegen der Möglichkeit, die Filtermodule später einmal gegen neue Entwicklungen mit alternativer Charakteristik austauschen zu können.

Zum rundum gelungenen Auftritt trägt auch das Handbuch nicht unwesentlich bei, das nicht nur die Eigenheiten und Anwendungsmöglichkeiten dieses speziellen Equalizerkonzepts ausführlich beschreibt, sondern dem Anwender auch eine Anleitung zum Austausch defekter Röhren und Einsatz neuer Filterkarten an die Hand gibt, so daß der Massive Passive vermutlich nur selten eine Servicewerkstatt von innen zu sehen bekommen wird.

Aufbau

Der zweikanalige Massive Passive verfügt pro Kanal über vier vollparametrische Filterbänder, deren Mittenfrequenzen mit Stufenschaltern zwischen elf Werten gewählt werden können. Der Pegel jedes Bandes kann um bis zu 20 dB angehoben oder abgesenkt werden, wobei an den Gain-Reglern die fehlende Skalenbeschriftung auffällt. Dies ist keine Nachlässigkeit des Herstellers, sondern durch das Konzept der Schaltung bedingt. Wird mit dem Bandwidth-Regler eine schmale Glockenkurve eingestellt, erreicht die Verstärkung bei Rechtsanschlag des Gain-Reglers die spezifizierten 20 dB. Bei Wahl der breitesten Filtercharakteristik sind es dagegen nur noch 6 dB. Diese wechselweise Abhängigkeit ist zwar nicht sonderlich analytisch, erlaubt aber ein sehr musikalisches Arbeiten - doch dazu später. Aufgrund dieses Verhaltens wird es übrigens vom Massive Passive auch keine spezielle Mastering-Version geben, die mit Stufenschaltern statt Potis arbeitet, wie sie von anderen Manley-Geräten bekannt und speziell bei Mastering-Studios sehr beliebt ist.

Eine weitere Eigenart ist in den Cut-Boost-Umschaltern jedes Bandes zu finden. Die Gain-Regler arbeiten nicht wie bei Equalizern üblich von einer neutralen Mittelstellung ausgehend, sondern sie verhalten sich bei Linksanschlag neutral. Ob der Pegel angehoben oder abgesenkt wird, bestimmt der Umschalter, den Betrag stellt man dann mit dem Poti ein. In Mittelstellung des Umschalters ist das Band deaktiviert.

Die zunächst etwas merkwürdig anmutende Umsetzung der Gain-Einstellung hat seinen Grund in der parallelen Anordnung der Filtermodule. Während das Audiosignal die Filterstufen eines herkömmlichen Equalizers seriell durchläuft, sind die Module des Massive Passive parallel angeordnet, und ihre Ausgangssignale werden in einer folgenden Mischstufe addiert. Wird der Boost-Schalter in die Cut-Stellung gebracht, erfolgt eine Phasendrehung, die aus der Addition eine Subtraktion macht und so zur gewünschten Absenkung führt. Nur mit diesem Parallelkonzept war die Realisierung eines vollständig passiven Filteraufbaus möglich, bei dem ausschließlich handgewickelte Spulen, Folienkondensatoren und Metallfilmwiderstände zum Einsatz kommen, und durch den der Massive Passive mit einer einzigen, zweistufigen Röhrenverstärkerstufe in der Ausgangssektion auskommt. Allerdings führt das parallele Konzept zu einer gegenseitigen Beeinflussung der Bänder. Wie wir später noch sehen werden, ist diese aber ausdrücklich erwünscht.

Mit einem weiteren Umschalter kann jedes Band separat von der Glocken-Charakteristik in die Shelving-Betriebsart umgeschaltet werden, wobei die Bandwidth-Regler weiterhin aktiv bleiben und nun für die Einstellung der Flankensteilheit zuständig sind. Interessant ist hier, daß jedes der vier Bänder umschaltbar ist, wodurch Anwendungen mit je zwei High- und Low-Shelving-Bändern pro Kanal möglich sind. Bei sehr steilflankiger Einstellung eines Low-Shelving-Bandes ergibt sich bei starker Anhebung der Bässe gleichzeitig eine leichte Absenkung im Bereich oberhalb der Grenzfrequenz, dieses Verhalten bildet eine beliebte Einstellung der legendären Pultec-Equalizer nach.

In der Mitte der Frontplatte sind neben dem Netzschalter und je einem globalen Bypass-Schalter pro Kanal auch zuschaltbare Hoch- und Tiefpaßfilter zu finden, um eine Bandbegrenzung des Audiosignales nach oben und unten vornehmen zu können. Die Begrenzung nach unten erfolgt in fünf Stufen zwischen 22 und 230 Hz, die nach oben in ebenfalls fünf Stufen zwischen 18 und 6 kHz. Eine Deaktivierung der Filter ist selbstverständlich auch möglich. Abgerundet wird die Frontplatte durch Pegelregler, die eine Anpassung des Ausgangssignals um ±6 dB zulassen und nur aktiv sind, wenn die Bypass-Schalter deaktiviert sind. Auf diese Weise läßt sich der Pegel beim Vergleich des unbearbeiteten mit dem bearbeiteten Signal angleichen, um bei der Beurteilung nicht durch Lautstärkeunterschiede beeinflußt zu werden.

Einbindung

Die Einbindung in die Studioumgebung gestaltet sich einfach, da auf der Rückseite des Geräts sowohl XLR- als auch Klinkenbuchsen zur Verfügung stehen. Letztere können sowohl symmetrisch als auch unsymmetrisch genutzt werden. Der Pegel ist werksseitig auf den Studiostandard von + 4 dBu eingestellt, kann für die Klinkenbuchsen mit Hilfe eines internen DIP-Schalters aber auf - 10 dBV herabgesetzt werden. Separat aus dem Gerät geführte Anschlüsse für Schaltungs- und Gehäusemasse, die über eine externe Klemme verbunden sind und damit auch getrennt werden können, gestatten sämtliche bekannten Möglichkeiten bei Problemen mit Brummschleifen.

Wegen der Wärmeentwicklung der Röhren empfiehlt der Hersteller, über dem Gerät eine Höheneinheit Platz zu lassen. Auch sollte der Einbau zur Vermeidung von Beeinflussungen durch Wärmeabstrahlung und Einstreuungen nicht direkt über leistungsstarken Geräten wie beispielsweise Endstufen erfolgen. Große Monitoranlagen mit weit herabreichendem Baßfundament können bei höheren Abhörlautstärken den zu dünnen und mit nur einer Schraube befestigten Gehäusedeckel zum deutlich hörbaren Mitschwingen anregen, wie es während der Testphase bei einer Dance-Produktion der Fall war. Zwar ist dieser Kritikpunkt nicht wirklich signifikant und zudem der einzige am gesamten Gerät, aber er ist dennoch sehr ärgerlich. Außerdem gab es auch bei der Voxbox schon exakt den gleichen Punkt zu bemängeln. Hier sollte sich Manley doch noch einmal Gedanken machen.

Klang und Praxis

Mit den Übertragern und Röhren sowie den speziellen Spulen für die Filter macht der Massive Passive mächtig Sound und erinnert schon beim ersten Antesten an die legendären Klassiker. Da sich, wie bereits beschrieben, die einzelnen Filterbänder sowie einige Einstellungen innerhalb eines Filterbandes gegenseitig beeinflussen, muß man sich erst einmal an die Bedienung des Equalizers gewöhnen. Die wichtigste Erkenntnis liegt in der Tatsache, daß es sich viel eher um ein musikalisches Werkzeug als um ein analytisch-technisches Gerät handelt. Die zunächst merkwürdig anmutenden Abhängigkeiten haben nämlich durchaus ihren Sinn: Vergrößert man bei konstanter Gain-Position beispielsweise die Bandbreite des in Glockencharakteristik betriebenen Filters, so wird die Pegelanhebung geringer. Zusammen mit der größeren Bandbreite bleibt dadurch aber die musikalische „Energie“ konstant, wodurch ein äußerst intuitives Arbeiten möglich wird.

Das Geheimnis hinter der Bedienung des Massive Passive liegt also nicht etwa im Erlernen der spezifischen Zusammenhänge der Schaltung, sondern im Lösen von den bekannten Grundregeln zugunsten von intuitivem Experimentieren. Wer sich auf diese Ebene der Arbeitsweise begibt, wird vom Massive Passive mit unglaublichen Resultaten belohnt. Da starke Anhebungen gleichzeitig zur Sättigung führen, bleibt zudem der harte Klang in den Höhen oder das Wummern in den Bässen aus, gleichzeitig ergibt sich eine Art Kompressionseffekt durch die Röhren. Extreme Einstellungen verlieren so ihren Schrecken. Gerade größte Klangverbiegungen ohne unnatürliche Härte im Klang sind die wahren Stärken des Massive Passive, der durch seinen spezifischen Klang dem Ohr schmeichelt und absolut nicht mit neutralen Vertretern dieser Gerätegattung vergleichbar ist.

Wer so intuitiv arbeitet, wird nicht immer peinlich genau auf die Pegel achten wollen. Auch diesem Ansatz wird der Massive Passive gerecht, denn selbst Anhebungen von 20 dB führen bei weitem noch nicht zur Übersteuerung, da der maximale Ausgangspegel um satte 33 dB über dem Nennpegel von + 4 dBu liegen darf. Da muß man schon aufpassen, daß man die Eingangsstufe des nachfolgenden Geräts nicht goldbraun grillt.

Der Rauschpegel liegt bei - 85 dB bezogen auf + 4 dBu. Bei voller Ausnutzung des Headrooms kommt man damit auf einen nutzbaren Dynamikumfang von 120 dB. Ein ausgezeichneter Wert, der gleichzeitig beweist, daß die bisweilen als veraltet angesehene Technik bei guter Auslegung durchaus mit modernen Konzepten mithalten kann.

Marktsituation

Während Equalizer in Mischpulten sowie die angesagten Outboard- und Mastering-Equalizer als analytische Werkzeuge eine möglichst präzise Umsetzung der eingestellten Werte auf die resultierende Entzerrung zum Ziel haben, dient der Massive Passive eindeutig dem Zweck, Sound zu machen. Er ist also nicht als Ersatz für im Studio meist ohnehin schon ausreichend vorhandener, herkömmliche Equalizer gedacht, sondern bietet sich als Ergänzung an und ist insbesondere etwas für erfahrene Toningenieure, die das Besondere suchen, sich auf ihre Ohren verlassen können und mit den Eigenarten des Geräts kreativ umzugehen wissen.

Seit Operationsverstärker verfügbar sind, wurde mit Ausnahme einiger Pultec-Clones ein solches Konzept nicht mehr gebaut. Insofern ist der Massive Passive zur Zeit konkurrenzlos. Einziger Haken, ihn nicht wirklich jedem als warme Empfehlung ans Herz zu legen, ist der Preis. Knapp 10.000 DM (inklusive Mehrwertsteuer) wird nicht jeder für einen Equalizer übrig haben. Daß es sich trotzdem lohnt, bestätigen nicht nur unsere Testerfahrungen, sondern auch die Auftragsbücher von Manley. Dort kommt man ob der großen Nachfrage mit der Produktion nämlich kaum nach. „Daß der Massive Passive auf großes Interesse stoßen wird, war uns schon in der Planungsphase klar. Aber daß die Nachfrage derart groß sein wird, hätten selbst wir nicht gedacht“, erklärte uns EveAnna Manley, die in Insiderkreisen respektvoll „Tube Queen“ genannt wird. Sie hat diesen Titel verdient.

Summary

The new Manley Stereo Tube Equalizer is equipped with a tone shaping circuit not using any active circuitry. A tube stage serves to make up gain. A design like this has not been done (except for Pultec clones) since op-amps became available. Massive Passive’s shelf curves are virtually unique, using the peak filter’s bandwidth control to simulate the Pultec effect.

The Author

Thomas Sandmann is audio engineer, music producer, and owner of the ths master mix studio in Germany. His focus is on dance and R&B music, his credits include the acts Blue Cascade, Syrinnx, Hardbase, Concrete, and many others.

Moreover, Thomas is a consulting engineer for audio companies, for example he desgined surround concepts which can be found in actual software and hardware solutions. He gives lectures on studio and recording items, and writes workshops and reviews for different German studio mags from time to time.

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Memorable Remarks
Five ultimate statements from Charlie Watts:

1. The Manley Massive Passive EQ is the one piece of gear I own that I simply cannot do without. On any project, Analogue or Digital. Period.

2. The Manley Passive EQ is an ABSOLUTE MUST if you are cutting Vinyl Masters or Dub Plates. With this EQ, I can get the music at least 5 db louder than without it. If you're serious about the best sounding Vinyl, you MUST have one of these.

3. There is no other way to get that "air" into the mix than to use the Manley Massive Passive. An absolute MUST for anything I Master. From the Gap Band, thru Lalo Schifrin, to 4 on the floor house, and pumpin' Drum and Bass, it's Da Bomb. Word.

4. I thought the Massive Passive was great at Mastering, but you should hear it in the recording studio. A MUST for the Kick and Bass, and I wouldn't cut a keyboard, guitar or vocal track without one ever again.

5. This IS the EQ I have wanted for twenty-five years. It's finally here. One listen and turn of the knobs, you'll understand, and have to own one.


Wow! I didn't think it was possible to get something that sounds better than a Pultec... It is the ultimate companion to my Manley Variable Mu. What great gear you make!!!

David Horrocks,
Infinite Wave Mastering


EveAnna, you and Hutch have totally outdone yourself this time. If it's possible, give yourselves a pat on the back for a job well done. My order is in and I can't wait for it to arrive.

Mark A. Rodriguez
Sony Pictures Entertainment, ADSG
Mastering Engineer, Vision Mastering

Manley & Langevin Dynamic Controllers